29.05.2017 Rückblick: Future Internet Kongress 2017


Fredrik von Erichsen
Fredrik von Erichsen

„Die Digitalisierung als Gestaltungsaufgabe und Chance", unter diesem Motto eröffnete Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir den sechsten Future Internet Kongress. Der Kongress bietet ein ideales Forum für Wissenstransfer- und Austausch und für die Diskussion aktueller gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Fragestellungen zur Digitalisierung. Namhafte Referenten sowie zahlreiche Gäste aus Wirtschaft und Politik sowie interessierte Bürger nahmen an dem Kongress teil.

 

Mehr Digitalisierung gestalten

Minister Tarek Al-Wazir zeigte in seiner Rede die Chancen der Digitalisierung auf: Durch die Digitalisierung könne der Ressourcenverbrauch verringert und Arbeitsbedingungen verbessert werden. Digitale Werkzeuge seien wichtige Mittel um die Demokratie zu erhalten und überzeugender zu gestalten. Dabei wies er auch auf Gefahren wie „Fake News“ durch digitale Medien hin. Der Minister hob außerdem die herausragende Bedeutung Hessens bei der Digitalisierung hervor. Mit dem FinTech-Quartier wurde Frankfurt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie jüngst als ‚Digital Hub‘ ausgezeichnet. Zusammen mit dem ‚Digital Hub‘ für Cybersecurity in Darmstadt habe sich Hessen zum ‚Security Valley‘ entwickelt. Nun hoffe man im Rahmen des Bitkom-Wettbewerbs ‚Digitale Stadt‘ beim Digitalgipfel in Ludwigshafen auf eine positive Entscheidung für Darmstadt. 

Als einen wichtigen Erfolg der Digitalstrategie bezeichnete Tarek Al-Wazir den vom House of IT initiierten Master of Digital Transformation Management (MBA) an der Goethe Business School, der in diesem Jahr startet. Die Ausbildung von digitalen Fach- und Führungskräften sei für die Bewältigung der digitalen Transformation von großer Bedeutung. Die Goethe Business School war auf dem Future Internet Kongress mit einem eigenen Informationsstand vertreten. 

„Wie die Digitalisierung die Welt verändert"

Digitalunternehmer Christian Baudis zeichnete als erster Speaker in seiner Keynote ein Bild von unserer digitalen Zukunft. Das größte Risiko der Digitalisierung sei, sich nicht auszukennen. Angesichts einer sich jährlich verdoppelnden Datenmenge müssen wir diese durch verdichtete Algorithmen besser nutzen. „Vergessen Sie das Thema Datenschutz. Mit Daten kann man wahnsinnig viel anfangen“, war sein Credo. Außerdem betonte er das Potential der Robotik und des autonomen Fahrens. Mit neuen Technologien sei in der Zukunft das Fahren ohne Unfälle möglich.

„Zukunft denken – Digital Privacy and Ethics by Design"

Anders als für Christian Baudis war das Thema Datenschutz für Prof. Dr. Keber ein wichtiger Aspekt in der Debatte um die Digitalisierung. Privatsphäre sei ein wichtiger Wert in der digitalisierten Welt. In seiner Keynote präsentierte er zehn goldene Regeln für nachhaltiges Datenwirtschaften. Prof. Dr. Keber ist Professor für Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart und seit 2012 im Leitungsgremium des Instituts für Digitale Ethik. Er beschäftigt sich mit Privacy by Design und Digital Privacy & Ethics.

Cybersicherheit – ein ungelöstes Problem

Sandro Gaycken, Direktor des Digital Society Institute Berlin, ESMT Berlin, Technikphilosoph und Experte für Cyber-Kriminalität, schätzte die Zukunft der digitalen Welt kritisch ein. Mit der zunehmenden Digitalisierung steige die Cybersicherheit nicht, sondern sinke gar. Die meisten IT-Sicherheitsprodukte würden einen Nettoverlust für die Sicherheit bedeuten. 

Im anschließenden Gespräch mit Prof. Dr. Waidner vom Fraunhofer SIT diskutierte er die Risiken und Chancen der Digitalisierung.

„Mensch, Maschine! Künstliche Intelligenz und ihre Folgen“

Die KI- und Big Data-Expertin Yvonne Hofstetter forderte in ihrem Vortrag eine eigene digitale Infrastruktur in Europa, um uns von der „Zwangsherrschaft der Technosteuerung“ zu befreien. Europa müsse die Digitalisierung als starke Marktmacht deutlicher gestalten. Eingriffe in die Selbstbestimmung und Souveränität des Menschen durch Künstliche Intelligenzen sollten verhindert werden. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei zwar „löchrig wie ein Schweizer Käse“, aber dennoch einzigartig. 

Wie man die digitale Transformation in Unternehmen erfolgreich umsetzt, zeigte Dr. Markus Pfuhl, Director Corporate Development bei der Viessmann Werke GmbH & Co. KG in seiner Keynote auf. Der Heizungsbauer hat dafür eigens eine digitale Transformationseinheit aufgesetzt. Wichtig für den Wandel sei auch, die internen Prozesse an die Digitalisierung anzupassen und die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen. Für Innovationsprozesse brauche es Diversität im Denken und internationalere, weiblichere Teams. 

7x DIGITALES HESSEN in 3 Minuten

Hessen geht bei der Gestaltung der Digitalisierung voran. Das zeigten sieben innovative Projekte und Unternehmen aus dem Land. Christian Flory von Hessen Trade & Invest stellte unter anderem den Digitalisierungscheck, einen Online-Selbsttest, mit dem kleine und mittlere Unternehmen ihren Digitalisierungsgrad ermitteln und mögliche Lücken erkennen können, vor.  Der Check soll Firmen Handlungsempfehlungen geben und steht unter digicheck.digitalstrategie-hessen.de kostenfrei zur Verfügung. Außerdem stellten sich unter anderem feelSpace, tyntyn, boldly go industries, Green Cube, KOHALA und INVENT a CHIP vor.

„Big Dadaismus – mit klarem Menschenverstand durch die Digitalisierung“

Den krönenden Abschluss der Veranstaltung bildete der Kabarettist Vince Ebert, der virtuos durch sein aktuelles Programm  führte. In seiner lustigen und provokanten Keynote sprach er ein mutiges Plädoyer für einen menschlichen Blick auf Daten. Anhand von überraschenden Beispielen zeigte er auf, dass Menschen selbst den intelligentesten Computern überlegen sein können und uns die Digitalisierung keine Angst machen muss.



  • Minister Tarek Al-Wazir eröffnete den Kongress, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Christian Baudis, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Sandro Gaycken, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Talk Waidner Gaycken, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Prof. Keber, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Yvonne Hofstetter, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Dr. Markus Pfuhl, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen
  • Vince Ebert, © Fotocredit: Fredrik von Erichsen

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